2.457 Sportler aus 52 Nationen waren nach Ostanatolien gereist, um in elf Sportarten an den Weltspielen der Studenten teilzunehmen. Für einige der 21 Deutschen war dies die erste Universiade, für mich und andere die zweite. Egal wie oft man da war, es ist immer ein neues Erlebnis! Bei mir war es ein Wettkampf voller Hindernisse, Pech und trotz alledem guter Laune, wie beim „Mensch-ärgere-dich-nicht“. Es begann schon mit der Anreise. Alle meine Flüge hatten Verspätung, ich war acht Stunden in Ankara gestrandet, bevor ich weiterflog und dann endlich nachts um zwei mein Zimmer im Athletendorf erreicht hatte. Meine Koffer aber nicht, sie hatten es nicht von München in die Türkei geschafft.

Am nächsten Tag war Auslosung und ich zog die 3 von 34, welche am Ende die 2 von 32 wurde, also eine super Nummer! Am Abend sah ich mir das Skispringen an, bevor ich zum Flughafen fuhr, um meine Trainerin und meine Koffer abzuholen, oder so dachte ich. Am Flughafen erwartete mich nur ein Koffer, der mit den Kleidern, aber nicht mit den Schlittschuhen.

Den nächsten Tag verbrachten wir mit einer City Tour. Da gab es nur ein Problem - keiner der vielen türkischen Helfer wusste von der Tour, geschweige denn wo der Bus abfährt. Also fuhren wir mit dem Shuttle und unserem persönlichen Guide in die Stadt. Wir gingen in eine Ausstellung, wo ich nach alter Tradition ein Bild malte oder eher Farbtropfen ins Wasser tropfte, die sich dann wie Öl im Wasser verbreiteten und ich die dann lustig mit Linien verbinden konnte. Sehr interessant und außergewöhnlich. Danach gab es draußen Chai und Türkish Delight, bevor wir eine große Moschee von außen besichtigten (Frauen durften nicht hinein). Von der Schlossruine ging es zum „Medal Plaza“, wo die Mannschaften jeden Abend ihre Medaillengewinner feiern konnten. Wir an diesen Abend auch, da unsere Snowboarderin Selina Jörg an den Tag Gold holte. Am Ende der Stadttour wärmten wir uns im Erzurum House. Wir ließen uns mit zwei Frauen und einem Schleierhut fotografieren. Dieses Bild schaffte es den nächsten Tag in die Universiade Zeitung.

Mittlerweile war es Mittwoch, der Wettkampf sollte am nächsten Tag beginnen und ich hatte immer noch keine Schlittschuhe, sie suchten nun mein Koffer weltweit. Ich hatte kein Training gemacht. Also beschlossen wir, mit den Ersatzschlittschuhen, die meine Trainerin mitbrachte, zu trainieren. Kurz gefasst: es ging gar nicht! Ich habe nach dem Training dort schleifen müssen, da eine Kante extrem rutschte. Am Abend erlaubte mir das OK Büro mit den geschliffenen Schlittschuhen noch mal aufs Eis zu gehen. Jetzt rutschte ich nicht mehr weg, aber bremsen konnte ich auch nicht mehr. Sie müssen mir einen Hockeyschliff verpasst haben. Ich schaffte es in der halben Stunde wenigstens ein paar Doppelsprünge zu machen, aber vom Axel war keine Rede. Meine Trainerin versuchte abends mit einen Schleifstein den Schliff etwas herunter zu holen.

Nachts um 3:15Uhr wurde mein Koffer mit den Schlittschuhen vor die Tür gestellt. Gerade erst hatten wir beschlossen, die alten anzuziehen und nun das. Was tun? Mit den Ersatzpaar laufen, welches ich eine Stunde an hatte, oder in den 25 Minuten Training am Wettkampftag mich noch mal umgewöhnen? Meine normalen Schuhe waren weicher und hatten viel weniger Schliff. Ich entschied mich für das Ersatzpaar. Beim Training hatte ich irgendwie einen 3T geschafft, der Salchow ging nicht und der Axel mit extrem viel Konzentration, wenig Schwung und Glück. Laufen oder nicht laufen? Immerhin sollte dieser mein letzter Wettkampf sein. Wir laufen! Der Schleifstein wurde nochmals herangeholt und der Axelansatz komplett entfernt, nur noch schön einfach Anlaufen.

Im Einlaufen kam nun auch endlich der 3S. Ich lief das letzte KP meiner Karriere mit Ersatzschlittschuhen und einem schrecklichen Gefühl bei den Sprüngen. Als der 3T im KP dann kam, habe ich mich so gefreut, dass ich den 3S mit viel Elan springen konnte. Der Axel war eine Zitternummer, aber außer einem kleinen Abtipper erstaunlich gut. Ich lief mit einem fast fehlerfreien KP vorerst auf den 11. Platz. Am Abend merkte ich dann schon wie ich krank wurde. Es war erstaunlich, wie lange ich durchgehalten hatte, da die gesamte deutsche Mannschaft krank war. Einige Sportler hatte ich erst zur Abschlussfeier das erste Mal gesehen, da sie bis dahin krank im Bett lagen.

Am Kürtag war meine Nase zu und ich konnte nicht mehr ohne starke Schmerzen im Brustbereich atmen. Beim Training machten wir nur das nötigste mit vielen Pausen. Unser Arzt Sprach von der „Erzurum Bronchitis“. Das ganze Dorf war angeschlagen. Kür laufen oder nicht? Jeder der mich ein wenig kennt weiß, dass ich die Kür niemals abgesagt hätte. Ich bin soweit gekommen und da schaffe ich das auch noch. Mit Nasenspray, türkischem Hustensaft und Paracetamol versuchte ich über die Runden zu kommen. Das Ergebnis ist bekannt (18.). Meine Beine waren, als ich als letzte aus meiner Gruppe auf das Eis trat, weich wie Brei, aber dann noch die Kür abzusagen wäre eine Unart. Nach der Kür sagte meine Trainerin: „Dieser Wettkampf spiegelt deine läuferische Karriere sehr gut wieder. Sie war voller Hoch und Tiefs, Glück und Pech, wie hier auch.“

Den letzten Tag genossen wir Frauen im Türkischen Bad, dem Hammam. Wir schwammen in Mineralwasser und bekamen vom Pool Essen und Chai serviert, bevor die Damen im Bad uns von Kopf bis Fuß abrubbelten. Frisch gestärkt und erholt sahen wir der Abschlussfeier am Abend entgegen. Wie auch die Eröffnungszeremonie fand sie in einem Stadion statt. Bereits zuvor begann die Tauschbörse unter den Sportlern. Alles wurde getauscht - von Mütze und Handschuhen über T-Shirts zu Hosen und Jacken. Kaum einer noch trug seine ursprüngliche Uniform.

Am nächsten Tag war früh die Abreise. Dies gestaltete sich sehr interessant, da alle gemeinsam abreisten und der Flughafen in Erzurum nur zwei Gepäckkontrollen hatte! Ach ja. In Ankara angekommen hatte unser Flug, um so mehr Zeit verging, immer mehr Verspätung. Vier Stunden später als geplant flogen wir Richtung Deutschland und übernachteten wegen verpasster Anschlüsse in München. Alles in allen war es ein sehr schöner Wettkampf, trotz der manchmal recht fragwürdigen Organisation. Aber wenn man sich einmal an die türkischen „fünf Minuten“ gewöhnt hat, kann einen nichts mehr schocken.

Ergebnisse in Kurzform

Kristina Gorschkova/Vitali Butikov siegten im Eistanz vor dem neuen ukrainisch-türkischem Duo Alissa Agafonova/Alper Ucar und Nadezhda Frolenkova/Mikhail Kasalo (Ukraine). Nobunari Oda aus Japan holte mit fast 20 Punkten Vorsprung Gold vor dem Russen Sergei Voronov und seinem Teamkameraden Daisuke Murakami. Im Damenwettkampf ohne große Prominenz feierte die Französin Candice Didier einen Sieg vor Sonia Lafuente (Spanien) und Shion Kokobun (Japan). Im Paarlauf hatten erwartungsgemäß die Moskauer Lubov Iliushechkina/Nodari Maisuradze die Nase vor den zwei chinesischen Duos Huibo Dong/Yiming Wu und Yue Zhang/Lei Wang vorn.

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